Warum Wredenhagen?

aktualisiert am 12.11.19

Die angeblich „weiße Deutschlandkarte“ ist nicht so groß, wie man meinen könnte, dafür aber weiß wie Salz.

Die Bundesrepublik hat ca. 450 Salzformationen:

Die Lage der ca. 450 Salzformationen in Deutschland, Quelle: BGR

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe BGR *) veröffentlichte 1995 einen zusammenfassenden Bericht zu geeigneten Gesteinsformationen für die Endlagerung (K-MAT 5: Untersuchung und Bewertung von Salzformationen).
Darin gibt es auf Seite 75 eine Deutschlandkarte, in der Salzstöcke eingezeichnet sind:

Auf dieser Karte basiert auch die Information von .ausgestrahlt, welche im August 2019 den Anstoß in der Müritzregion gab.
In einer weiteren Veröffentlichung von 2007 (Untersuchung und Bewertung von Regionen mit potenziell geeigneten Wirtsgesteinsformationen) wird Wredenhagen nicht mehr aufgeführt. Laut der Karte auf Seite 15 („Abb. 3“) bleiben von den 450 Formationen als potentielle Salzstöcke lediglich fünf Orte in Niedersachsen übrig:

Salzstöcke nur noch in Niedersachsen?

Sollten sich bei diesen fünf Orten bei der weiteren Endlagererkundung Schwierigkeiten ergeben, bzw. Politik oder andere Interessengruppen erfolgreich intervenieren, wären mit großer Wahrscheinlichkeit die 1995 genannten Orte wieder im Fokus. Damit wären Wredenhagen, Netzeband, Zechlin, usw. wieder potentielle Standorte.
Von der angeblich so weißen Deutschlandkarte bleibt also bei näherer Betrachtung nur eine fleckige Karte Niedersachsens übrig. Daraus kann schneller, als man ‚Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit‘ sagen kann, eine Karte Mecklenburg-Vorpommerns werden.

Salzstöcke

Salszstöcke sind keineswegs solide homogene Gebilde. Die können zerklüftet sein und strukturelle Störungen beinhalten. Dies ist ein Querschnitt durch den Salzstock Gorleben (Quelle: BGR-Bericht von 2007). Interessant für die Endlagerung ist der Tiefenbereich zwischen -300 und -1.000 m:

Was ist mit Ton und Granit?

Die BGR kommt 2007 zu folgendem Fazit:

„Kristallingesteine wurden wegen der geringen Ausdehnung ungeklüfteter Bereiche und der meist hohen Durchlässigkeit in geklüfteten Bereichen nicht berücksichtigt. Vorkommen der unverfestigten tertiären Tone wurden aufgrund ihrer ungünstigen mechanischen Eigenschaften und dem damit verbundenen aufwändigen Ausbau als Wirtsgesteine nicht betrachtet. … Als Bearbeitungsgrundlage für den vorliegenden Bericht dienten alle verfügbaren Daten aus Karten- und Archivmaterial und Bohrungen.“

BGR, 2007

Es nicht nicht gesagt, dass die Endlagersuche zu demselben Schluss kommt, aber über die Wichtung der Eigenschaften von Ton, Salz und Granit durch die BfE ist wenig bekannt. Man darf nicht vergessen, dass es umfangreiche Erfahrungen mit dem untertägigen Abbau von Salz gibt und die Salzstöcke Gorleben und Asse lange und intensiv untersucht wurden.

Die BGR

*) „Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe ist eine technisch-wissenschaftliche Oberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi).“

https://www.bgr.bund.de